Rückblick Wettbewerb 2010/2011

Der Überflieger

Es war knapp wie nie bei Deutschlands größtem Geldverwalter-Wettbewerb. Am Ende siegte Frank Fieber. Über das Erfolgsrezept des neuen „Finanzberater des Jahres“


Der „Finanzberater des Jahres 2011“ heißt Frank Fieber. €uro gratuliert – und das gleich doppelt. Denn dem 51-Jährigen ist eine Premiere bei Deutschlands anspruchsvollstem Wettbewerb für Bankkaufleute und Vermögensberater gelungen. Erstmals gewinnt ein Teilnehmer zum zweiten Mal. Schon 2006 hatte der Anlageexperte aus dem südhessischen Seeheim-Jugenheim den Titel errungen.
In diesem Jahr musste Fieber bis zum Schluss zittern, ehe er erneut als Gewinner unter den mehr als 600 Teilnehmern feststand. Erst am 15. Dezember 2010, dem letzten Tag des Wettbewerbs, kam Frank Fieber ganz nach vorn, mit 0,31 Punkten vor Titelverteidiger Wilfried Stubenrauch. Am Tag zuvor hatte Stubenrauch, Vermögensberater aus dem friesischen Schortens, noch vor ihm rangiert.

Glück und Können. Am Ende hatte Fieber ein Quäntchen mehr Glück. Doch dies allein hätte ihm nicht gereicht. Denn beim Wettbewerb zum „Finanzberater des Jahres“, den €uro zum achten Mal veranstaltet hat, zählt vor allem Können. Ein halbes Jahr lang müssen die Teilnehmer in zwei Disziplinen glänzen: im Depottest, bei dem sie 100.000 Euro Startkapital mithilfe von Investmentfonds risikoschonend vermehren sollen, und im Wissensteil, der profunde Kenntnisse zu Altersvorsorge, Geldanlage, Steuern und Versicherungen verlangt. Fieber ist fit in beiden Disziplinen. Im Fragenteil profitierte der Diplom-Kaufmann und Maschinenbau-Ingenieur von seiner 21-jährigen Berufserfahrung und guten Kontakten zu Anwälten und Steuerberatern, die er bei Bedarf um Rat bittet. Die Aktivierung persönlicher Netzwerke ist bei dem Wettbewerb gewollt. Denn so sieht die Realität anspruchsvoller Beratung eben aus.
Fiebers Strategie für den Depotteil: „Mit Kaufen und Halten kann man nichts ausrichten. Daher wollte ich stets flexibel bleiben.“ Als er im November binnen einer Woche ein Plus von sieben Prozent erzielte, verkaufte er seine offensiven Fonds, um Gewinne abzusichern. Eine Strategie, die aufging.



Geld geschützt. Das schnelle Umschalten von Sturm auf Abwehr war Fieber bereits vor drei Jahren gelungen. Damals für seine Kunden. „Im Januar 2008 hatte ich ihnen empfohlen, komplett aus Aktien auszusteigen“, sagt er. Den folgenden Kurssturz von 40 und mehr Prozent hat er ihnen dadurch erspart. Ab dem Frühjahr 2009 erhöhte er wieder langsam die Aktienquote. „Heute notieren die Portfolios meiner Kunden höher als Ende 2007“, sagt er stolz. Zu Recht. Der DAX notiert noch gut zwölf Prozent unter seinem Stand von vor drei Jahren.
Auch der Zweitplatzierte Wilfried Stubenrauch ist Wiederholungstäter. Der Finanzberater aus Schortens an der Nordsee nimmt seit Jahren erfolgreich am Wettbewerb „Finanzberater des Jahres“ teil – und siegte im vergangenen Jahr. Seit 2007 betreut der 42-Jährige mit Stefan Hölscher (45) aus Hannover einen Dachfonds, der sich passabel schlägt: Mit dem S & H Globale Märkte (ISIN: DE000A0MYEG2) investieren sie in Aktienfonds von Top-Fondsmanagern wie Edouard Carmignac und Jens Ehrhardt.
Der Clou dieser beiden: Stubenrauchs Partner Hölscher schaffte beim Finanzberater-
Contest den Sprung auf Platz 3 – bisher die beste Platzierung bei seinen sieben Teilnahmen. Stubenrauch selbst gelang die wohl größte Aufholjagd in der Geschichte des Wettbewerbs. Vier Wochen vor Ende lag er noch auf Platz 73. Erst als sein Rohstoff-Fonds ansprang, schoss er in der Gesamtwertung nach oben und schaffte noch fast den Sprung auf Rang 1.