Rückblick Wettbewerb 2009/2010

Finanzberater des Jahres 2010

Wilfried Stubenrauch hat den Titel Finanzberater des Jahres geholt. Mit welchen Fonds er die anderen Berater schlug und was er für 2010 empfiehlt.

Rueckblick FBDJ 2009/2010 Das kleine Städtchen Schortens im flachen Jeverland nahe Wilhelmshaven ist um eine Attraktion reicher: Wilfried Stubenrauch, Gründer und Geschäftsführer der fikon Finanz-Konzepte GmbH, ist der Finanzberater des Jahres 2010. Diesen Wettbewerb veranstaltet €uro mit dem Maklerpool Jung, DMS & Cie., der biw AG und der Fondsgesellschaft Robeco.

Nur sechs Meter über dem Meeresspiegel gelegen, ist Schortens für Stubenrauch dennoch ein guter Ort gewesen, um im aufregenden Börsenjahr die Übersicht 2009 zu behalten. Er setzte mit Fonds wie dem ACMBernstein European Income und dem Sparinvest High Yield Value Bonds konsequent auf eine Anlageklasse: „Unternehmensanleihen waren beim Wettbewerb 2010 das Gebot der Stunde“, meint der 41-jährige Steuerberater und Finanzökonom. Denn im Zuge der Finanzkrise hätten die Kurse – sowohl von normalen Unternehmensanleihen als auch von Hochzins- Bonds – übertrieben nach unten ausgeschlagen. Eine Unterbewertung, die Stubenrauch kühl verwertete: 13 Prozent Performance bei gerade einmal drei Prozent Volatilität – mit diesem Ergebnis holte er sich die Krone im Depotteil des Wettbewerbs. Zum Vergleich: Der DAX legte im gleichen Zeitraum zwar um 18 Prozent zu, zehrte mit einer durchschnittlichen Volatilität von 25 aber auch ärger an den Nerven der Anleger. Im Wissenstest machten sich seine fachliche Kompetenz und sein Ehrgeiz bezahlt. „Rund zehn Arbeitstage dürfte ich in die sechs Fragebögen investiert haben“, meint der Norddeutsche. Dieser Einsatz brachte Platz vier im Wissensteil. Besser waren da nur Frank Fieber, selbstständiger Berater aus der Nähe von Darmstadt und Finanzberater des Jahres 2006, sowie Peter und Stefan Hölscher.

Letzterer wird Stubenrauch den Erfolg übrigens herzlich gönnen, leiten sie doch gemeinsam den Aktiendachfonds S&H Globale Märkte – eine Kooperation wohlgemerkt, die ihre Entstehung dem €uro-Wettbewerb verdankt. In seinem Dachfonds investiert Stubenrauch in die Anlageklasse, der er für 2010 gute Chance einräumt: Aktien. Für vorsichtigere Anleger empfiehlt er aber weiterhin Corporate Bonds: „Gute Unternehmensanleihen würde ich Staatsanleihen vorziehen.“ Die Krisen in Dubai und Griechenland hätten gezeigt, wie weit die Verschuldungsproblematik einzelner Staaten bereits vorangeschritten ist.
Rueckblick FBDJ 2009/2010 

Auch Manuel Schramm, Berater bei Aquilinus Finanzdienstleistungen in Aachen und Dritter im Gesamtranking, rät defensiv ausgerichteten Kunden im kommenden Jahr von Staatsanleihen ab: „Wir empfehlen stattdessen eine Mischung aus alternativen Investments wie Immobiliendachfonds und konservativen Hedgefonds.“

Schramms Anlagephilosophie ist grundsätzlich vorsichtig. Er strebt ein maximales Verlustrisiko von zehn Prozent an. „Wir haben den Bären immer im Kalkül, weil wir wissen, wie schwer es ist, einen Verlust von 50 Prozent wieder reinzuholen“, meint der 33-Jährige.

Seine Strategie, vor allem in flexible Dach- und Mischfonds sowie Absolute Return-Produkte zu investieren, ging 2009 auf. Die taktische Beimischung von Rohstoffaktien, türkischen Werten und asiatischen Immo-Aktien brachte eine Performance von über acht Prozent.

Bei Stefan Grommer von Plückthun Asset Management in München reichten 4,9 Prozent zu einem zweiten Platz – dank einer bemerkenswert niedrigen Volatilität von gerade einmal zwei Prozent und dem elften Platz in der Wissenswertung. Für das Börsenjahr 2010 empfiehlt Grommer trotz der enormen Kursgewinne 2009 Hochzins-Anleihen und rechnet in diesem Segment mit Renditen von sieben Prozent. Kritisch sieht er dagegen die Lage bei Offenen Immobilienfonds: „Die Abwertungen bei den betroffenen Fonds sind gerechtfertigt, denn bei Markttransaktionen werden derzeit Preise erzielt, die zehn bis 15 Prozent unter dem Niveau von 2008 liegen.“

Trotz der Liquiditätsprobleme waren Offene Immofonds eine der beliebtesten Fondskategorien im Wettbewerb 2009. Grund sind die sehr niedrigen Schwankungen dieser Anlageklasse. Zum ersten Mal belohnte das Regelwerk des €uro-Wettbewerbs die Führung eines schwankungsarmen Portfolios mit einem Viertel der Gesamtpunktzahl.

Ebenfalls zum ersten Mal dabei war die Going Public AG. Der Spezialist für Aus- und Weiterbildung in der Finanzberatung war für den Wissensteil zuständig. Vorstand Ronald Perschke, 41, hat das nicht bereut: „Wir haben viele positive Rückmeldungen für die Umstellung auf Fallbeispiele und die breite Streuung der Fragen über alle Wissensgebiete bekommen.“ Ihn hat beeindruckt, wie viele Berater bis zum Schluss engagiert um jede richtige Antwort gekämpft haben.

Für Stubenrauch hat sich das Engagement gelohnt. Nach einem zweiten Platz 2006 und zwei Platzierungen unter den Top 50 hat er nun den Titel gewonnen. Ein paar Anleger werden nun mal nachschauen, wo eigentlich Schortens liegt.