Rückblick Wettbewerb 2006/2007

Der verdiente Lohn

Ein Volksbanker, eine Honorarberaterin, ein Vermögensverwalter, ein Sparkassen-Mann: Besser kann der Mix der besten Finanzberater Deutschlands gar nicht aussehen.

Rueckblick FBDJ 2006/2007Am Ende wurde es noch einmal ganz knapp. Über die gesamte Laufzeit des Wettbewerbs hatte Mirko Vecernik, Privatkundenbetreuer der Volksbank Oelde-Ennigerloh-Neubeckum, souverän die Rangliste angeführt. Lange lag der 35-Jährige sogar in beiden Teildisziplinen, dem Depot-Wettbewerb und dem Wissenstest, vorne und hatte sich einen beruhigenden Vorsprung erarbeitet. Doch ausgerechnet beim letzten der sechs zu bearbeitenden Fragebögen hatte er nicht alle Aufgaben richtig gelöst. „Das wäre schon sehr ärgerlich gewesen, wenn ich auf den letzten Metern noch gescheitert wäre“, sagt Vecernik.
Doch es reichte noch. Der begeisterte Marathonläufer hatte sich die Kräfte richtig eingeteilt. Es zahlte sich aus, dass er im Depotwettbewerb immer am Ball geblieben ist. Ende November, nur wenige Wochen vor Ende des Wettbewerbs, investierte Vecernik erneut am türkischen Aktienmarkt. Die Börse am Bosporus war zuvor stark eingebrochen. Seine Vermutung, dass dies nur eine vorübergehende Korrektur sei, war richtig. Der Fonds Türkei 75 Plus stieg in den folgenden Tagen stark an.
Ein Blick auf die Gesamtwertung zeigt die Ausnahmestellung des Westfalen im Wettbewerb. Als einziger der fast 600 Wettbewerbsteilnehmer hat Vecernik in beiden Disziplinen Wissenstest und Depotwettbewerb jeweils mehr als 40 Punkte erreicht und zählt zur absoluten Top-Gruppe. „Für diese Leistung hat er sich den Goldenen Bullen als Finanzberater des Jahres redlich verdient“, sagt Frank de Boer, Deutschland-Chef der Fondsgesellschaft Robeco, die den Wettbewerb mitveranstaltet hat. „Besonders freut mich, dass dadurch die hohe Qualifikation vieler Bankberater in Deutschland deutlich wird“, stellt de Boer klar.

Besonders spannend machte den Wettbewerb auf den letzten Metern Claudia Rankers. Die Honorarberaterin aus Flörsheim am Main hatte den letzten Fragebogen komplett richtig beantwortet. Dadurch zog sie in der Wissenswertung erstmals an Vecernik vorbei und sicherte sich die höchste Punktzahl von 50. Kein anderer Teilnehmer hat bei den Fragen, die von der Finanzakademie der European Business School (ebs) in Oestrich-Winkel ausgetüftelt wurden, mehr richtige Antworten verzeichnet. Dadurch holte sie im Wissenstest einen Vorsprung auf Vecernik heraus und kam ihm im Gesamtklassement sehr nahe.
Grundlage für diesen Etappensieg ist sicherlich ihre langjährige, umfassende Branchenerfahrung. Rankers war bei der Schweizer Großbank UBS Direktorin in der Betreuung vermögender Privatkunden, bevor sie sich 2002 selbstständig machte. Das Unternehmen Rankers Finanzstrategien, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Georg Rankers führt, betreut Kunden auf Honorarbasis. Dabei wird ein fixer Betrag als Entgelt vereinbart, dafür bekommt der Kunde alle Finanzprodukte zum Nettopreis. Ausgabeaufschläge oder Vertriebsprovisionen, wie sie bei Fonds und Versicherungen geläufig sind, fallen dann für den Anleger nicht mehr an. Dabei nimmt es die Anlageexpertin auch in Kauf, durch das Honorarmodell bei einzelnen Mandaten deutlich weniger zu verdienen, als es mit Provisionen möglich ist. „Aber das entspricht unserem Verständnis von Mehrwert für unsere Kunden“, sagt Rankers.

Rueckblick FBDJ 2006/2007Bekannte Größe. Auf Honorarberatung setzt auch Armin Kress. Innerhalb der Performance AG in Mannheim leitet er die Performance Finanzplanungs-GmbH, die nur honorarbasiert arbeitet. „Dadurch kann ich eine produktneutrale Finanz- und Vermögensplanung anbieten“, sagt Kress. Welche Lösung er in der Anlageberatung bevorzugt, ist €uro-Lesern gut bekannt. Bereits mehrfach wurde die standardisierte Vermögensverwaltung der Mannheimer ausgezeichnet, zuletzt in dem €uro-Ranking 07/2006. In allen drei Risikoklassen schaffte es die Performance AG unter die Top drei.
Wie gut die Fondsauslese von Kress ist, zeigte sich auch im jüngsten Depotcontest. Seine Auswahl aus sieben Fonds ließ er seit dem Start des Wettbewerbs im Juni unberührt. Ohne eine einzige Umschichtung legte das Depot 14 Prozent in nur sechs Monaten zu. „Dass mein langfristig ausgerichtetes Depot auch kurzfristig so erfolgreich war, freut mich sehr“, sagt Kress. Der größte Teil war in Schwellenländer-Aktien (HSBC BRIC Freestyle) und Rohstoffaktien (BlackRock ML World Mining, Stabilitas Gold+Resourcen) investiert.
„Unabhängige Finanzberater müssen sich bei der Vemögensberatung nicht hinter großen Namen verstecken“, stellt Ralf Tanzer, Marketingleiter des Maklerpools Jung, DMS & Cie, klar. Der Beraterverbund gehört neben Robeco, der ebs Finanzakademie, dem Info-Dienstleister €uro Advisor Services und €uro zu den Veranstaltern des Wettbewerbs.

Starker Teamgeist. Die inoffizielle Mannschaftswertung hat sich die Performance AG zusätzlich gesichert. Insgesamt vier Mannheimer haben sich unter den Top 15 platziert. Basis für dieses Spitzenergebnis war das gute Abschneiden im Wissenstest, den die Performance-Mitstreiter in Teamwork absolvierten.
„Der Wettbewerb zeigt deutlich die hohe Qualität von Finanzberatung in Deutschland“, sagt Thomas Kolb, Vermarktungsexperte der europäischen Börse für strukturierte Produkte. Das ist ein Joint-Venture zwischen der Schweizer und der Deutschen Börse, spezialisiert auf den Handel mit Zertifikaten und Optionsscheinen. Beim Wettbewerb „Finanzberater des Jahres“ stehen zwar nur Fonds für die Depotwertung zur Verfügung, dennoch verfolgt Kolb das Kräftemessen der Anlageprofis genau: „Erfolgreiche Vermögensverwalter investieren für ihre Kunden immer stärker in strukturierte Finanzprodukte“, so Kolb.
Steigende Orderzahlen verzeichnet die Deutsche Börse in Frankfurt auch von Bankberatern. Besonders erfolgreich waren im abgeschlossenen Wettbewerb Berater aus dem genossenschaftlichen Finanzverbund und von Sparkassen. Bei den Genossenschafts-Bankern weist neben dem Sieger Vecernik noch Christian Evermann von der Volksbank Syke sehr gute Ergebnisse auf. Die Fahne der Sparkassen halten Dirk Hein von der Kreissparkasse München-Starnberg, Werner Mann und seine Kollegen von der Sparkasse Neustadt an der Aisch und vor allem Bernd Stahlke von der Stadtsparkasse Wuppertal hoch. Stahlke ist ein alter Bekannter im Wettbewerb, er war auch bei den ersten beiden Durchgängen des Wettbewerbs immer in Reichweite der Spitzengruppe.
Dieses Mal hat es zu einem Platz auf dem erweiterten Podium gereicht, zu einem hervorragenden vierten Rang. Aufgrund seines Erfahrungsschatzes war die Top-Platzierung allerdings fast schon zu erwarten. Der studierte Finanzplaner und Experte im Nachfolge-Management hat gemeinsam mit seinem Beratungsteam schon 1995 eine Einheit zur Betreuung vermögender Privatkunden eingerichtet und erfolgreich ausgebaut. Mittlerweile betreut das Team 1,1 Milliarden Euro für 1400 Kunden und zählt zu den größten Private-Banking-Abteilungen im Sparkassen-Sektor.
Dieser Erfolg hat den Deutschen Sparkassen- und Giroverband bewogen, 2004 das Stahlke-Team als Pilotprojekt für Privat Banking im Sparkassenverbund zu präsentieren. Seit 2005 haben die Wuppertaler ihr Konzept verfeinert und bieten eine individuelle Depotbetreuung an. „Dieses Konzept erfreut sich bei unseren Kunden großer Beliebtheit“, sagt Stahlke.
Berater der großen Geschäfts- und Privatbanken, obwohl zahlreich unter den Teilnehmern vertreten, konnten sich dieses Mal nicht unter den besten Finanzberatern Deutschlands positionieren. Vielleicht wird in einigen Instituten schon auf den Juni 2007 hingefiebert, wenn der nächste Wettbewerb startet.